Apfelessig gegen Nagelpilz?
Essigsäure wirkt antibakteriell und soll Pilze abtöten.
Doch hilft das Hausmittel Essig tatsächlich gegen Nagelpilz?
Die Fakten.

Lindert normaler Essig die Beschwerden bei Nagelpilz?
Nicht wenige Menschen in Österreich leiden an Nagelpilz — doch nur eine Minderheit der Betroffenen ist bei einer Nagelpilzinfektion (Fachwort Onychomykose) in fachmännischer Behandlung. Viele versuchen es mit bewährten Hausmitteln. Ein beliebtes natürliches Heilmittel ist Essig.

Essig in runden Fläschchen gegen Nagelpilz

Foto: © PhotoSG – fotolia.com

Wie wirksam ist Essig bei Nagelpilz?

In Internetforen finden Sie unter der Suchanfrage „Nagelpilz Essig“ zahlreiche Einträge. Dabei geht man davon aus, dass Nagelpilz-Erreger ein neutrales oder basisches Umfeld bevorzugen. Die Essigsäure soll auf den von Nagelpilz betroffenen Stellen ein saures Milieu erzeugen und dadurch vorhandene Pilzsporen reduzieren.

Bis heute gibt es keine Studien, die die Wirkung von Essig gegen Nagelpilz belegen. Jegliche wissenschaftliche Beweise dazu stehen aus. Ganz sicher ist jedoch, dass das Hausmittel Essig selbst bei einer kurzfristigen optischen Verbesserung einen Nagelpilz nicht dauerhaft entfernen kann.
Essig säuert durch die enthaltene Säure zwar die Umgebung an, aber erreicht tiefere Hautschichten nicht. Daher ist Essig gegen Nagelpilz nicht sonderlich wirksam. Essig kann eventuell die schnelle Ausbreitung des Pilzes etwas abmildern.

Ausrufezeichen

Essig reicht bei Nagelpilz nicht aus

Eine erfolgreiche Behandlung von Nagelpilz allein mit Essig ist äußerst unwahrscheinlich, da der Essig nicht tief genug in den Nagel eindringen kann. Essig ist zwar — ähnlich wie Teebaumöl — in der Lage, Pilze in geringem Maß abzutöten. Für eine vollständige Heilung reicht die antimykotische Wirkung von Essig nicht aus2, da die Sporen äußerst resistent sind. Sie nisten sich im Nagel ein und erwachen zu neuem Leben, sobald sich das Klima positiv für sie ändert. In einem warmen, feuchten Milieu bilden sie schnell neue, vermehrungsfähige Nagelpilze, so dass sich der Nagelpilz weiter ausbreitet. Dadurch bleibt die Gefahr, dass Sie andere anstecken, solange Sie die Infektion nicht sachkundig diagnostizieren und behandeln lassen. Konsultieren Sie deshalb immer einen Hautarzt (= Dermatologe), wenn Sie den Verdacht haben, an Nagelpilz erkrankt zu sein.

Nagelpilz behandeln – was hilft?

Eine erfolgreiche Behandlung von Nagelpilz verlangt Geduld und Disziplin. Wer eine Nagelpilzinfektion effektiv behandeln möchte, für den sind medizinische Anti-Pilz-Lacke das Mittel der Wahl1. Der Wirkstoff Ciclopirox im wasserlöslichen Nagellack von Kitonail geht gleichzeitig von innen und außen gegen die Pilzzellen vor. Ciclopirox bindet sich an die Pilz-Zellwand, hemmt die Aufnahme von Komponenten für die Pilzzelle und hemmt in der Zelle den Zellaufbau. Den wasserlöslichen Lack tragen Sie abends auf die betroffenen Nägel auf und lassen ihn über Nacht einwirken. Die Wirkstoffe dringen über Nacht in den Nagel ein. Mit der nächsten Dusche waschen Sie den Lack wieder ab. Der Vorteil: Die Wirkstoffe verbleiben im Nagel, ohne dass der Nagellack die Nägel dauerhaft versiegelt. Ist zusätzlich die Nagelwurzel oder die Wachstumszone des Nagels infiziert, ist eine Kombinationsbehandlung mit Antipilz-Tabletten ratsam.

 

Wie verwende ich Essig gegen Nagelpilz?

Falls Sie dennoch Essig als Hausmittel gegen Nagelpilz ausprobieren wollen, sprechen Sie das am besten mit Ihrem Dermatologen ab. Er wird Ihnen möglicherweise eine begleitende medikamentöse Therapie empfehlen. Manchmal ist die Nagelhaut durch die Infektion bereits angegriffen, in diesem Fall reizt die Säure des Essigs die entzündeten Hautstellen eventuell zusätzlich. Verwenden können Sie alle handelsüblichen Essigsorten, aber keinen Balsamico-Essig. Hautärzte empfehlen folgende Essig-Wasser-Mixtur gegen Nagelpilz:

 

Nagelpilz: Essig-Tinktur zum Auftragen

Einkaufsliste

Zutaten:

Fünfprozentiger Essig (zum Beispiel Apfelessig oder Weinbrandessig)

So geht´s

  • Tragen Sie den fünfprozentigen Essig mit einem Wattestäbchen, sauberen Tuch oder Wattepad vorsichtig auf die betroffenen Stellen auf.
  • Trocknen Sie im Anschluss sorgfältig Ihre Füße ab und ziehen Sie sich frische Baumwollsocken über.
  • Wenn nötig wiederholen Sie die Prozedur zwei- bis dreimal täglich.
  • Essigessenz ist eine bis zu 25-prozentige Lösung von Essigsäure in Wasser, während Apfelessig üblicherweise 5-6 % Säure enthält. Der höhere Säuregehalt kann Haut und Nägel zusätzlich reizen und sogar eine Kontaktreaktion verursachen.

 

Nagelpilz: Nagelpilz: Essig-Fußbad zum Einweichen

Einkaufsliste

Zutaten:

Bei fünfprozentigem Essig: 1:1-Mischung aus warmem Wasser und fünfprozentigem Essig
Bei 25-prozentiger Essigessenz: 1:10 Mischung von warmem Wasser und der Essigessenz

So geht´s

  • Geben Sie die Essig-Wasser-Mischung in eine Waschschüssel und baden Sie Ihre Füße etwa 15 bis 20 Minuten im Fußbad.
  • Wer möchte, braust seine Füße nach 10 Minuten kurz mit kaltem Wasser ab. Ein Wechselbad fördert die Durchblutung der Füße. Wiederholen Sie den Vorgang zwei- bis dreimal.
  • Trocknen Sie im Anschluss sorgfältig Ihre Füße ab und ziehen Sie sich frische Baumwollsocken über.
 
 

Quellen:
1) Bundesverband der Deutschen Dermatologen e. V.: Gesund zu Fuß – BVDD klärt über Nagelpilz auf (Abruf 11.01.2018).
2) Interview der Autorin Silke Orth mit Dr. Wolfgang Klee, Dermatologe aus Mainz.